Pressemeldungen
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Delinquent
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Re: Pressemeldungen
St.Louis hat geschrieben:
> Die Frage ist doch ganz einfach, ob Kreis, Untersander oder Kindschi
> tatsächlich so schlecht sind, wie sie von den meisten hier bewertet werden.
> Ist genau das Thema von weitervorne. Könnte es sein, dass die genannten
> Herren in der professionellen Beurteilung der sportlich Verantwortlichen
> besser wegkommen als hier auf dem Board im "Laien-Gremium"?
>
> Gerade Untersander hat als Captain nach wie vor eine dominante Rolle im
> Team und wurde auch ordentlich eingesetzt im Verlauf der Saison und auch in
> den letzten Spielen. Dasselbe gilt auch für Kreis in den Play-ins vor der
> Verletzung... Ist der Coaching-Staff wirklich derart unfähig und setzt
> Spieler ein, die so schlecht sind und einfach so von Junioren oder
> SL-Spielern ersetzt werden könnten? Ich zweifle daran. Viel eher sehen wir
> einfach nicht alles auf dem Eis oder in Garderobe und urteilen entsprechend
> auch nicht objektiv bzw. ganzheitlich.
>
> An die Swiss League habe ich aber tatsächlich auch schon gedacht. Gibt es
> dort wirklich keine Spieler, die über das Potenzial für die NL verfügen und
> die älteren Herren mindestens etwas unter Druck setzen könnten?
Guten Beitrag, danke!
Das ist garantiert so, wir kriegen nur mit was auf dem Eis läuft, mehr nicht. Es gibt aber noch so vieles mehr - Kabine, Verletzungen, Umfeld etc. etc.
Auch wenn viele immer wieder auf Unti, Kreis und Kindschi rumhacken, so hatten wir eine der besten Defensiven der Liga. Wir kranken am Tore schiessen... ich würde mal behaupten, dass das Gefüge im Team noch nicht stimmt, die Lücke von Alt und erfahren zu Jung und unerfahren ist zu gross. Darum fallen Ausfälle wie z.B. Baumgartner so ins Gewicht - einer der wenigen zwischen den beiden Fraktionen.
Was ich aber nicht verstehe, warum man nicht schon lange einen Sportpsychologen beigezogen hat - und zwar fix. Nahezu jeder Top-Athlet hat das heute - aber beim SCB leider nicht. Die ganze Verunsicherung die aufgrund des miesen Saisonstarts und der abartig vielen Verletzen entstand, hat uns bis zum Ende der Saison verfolgt.
> Die Frage ist doch ganz einfach, ob Kreis, Untersander oder Kindschi
> tatsächlich so schlecht sind, wie sie von den meisten hier bewertet werden.
> Ist genau das Thema von weitervorne. Könnte es sein, dass die genannten
> Herren in der professionellen Beurteilung der sportlich Verantwortlichen
> besser wegkommen als hier auf dem Board im "Laien-Gremium"?
>
> Gerade Untersander hat als Captain nach wie vor eine dominante Rolle im
> Team und wurde auch ordentlich eingesetzt im Verlauf der Saison und auch in
> den letzten Spielen. Dasselbe gilt auch für Kreis in den Play-ins vor der
> Verletzung... Ist der Coaching-Staff wirklich derart unfähig und setzt
> Spieler ein, die so schlecht sind und einfach so von Junioren oder
> SL-Spielern ersetzt werden könnten? Ich zweifle daran. Viel eher sehen wir
> einfach nicht alles auf dem Eis oder in Garderobe und urteilen entsprechend
> auch nicht objektiv bzw. ganzheitlich.
>
> An die Swiss League habe ich aber tatsächlich auch schon gedacht. Gibt es
> dort wirklich keine Spieler, die über das Potenzial für die NL verfügen und
> die älteren Herren mindestens etwas unter Druck setzen könnten?
Guten Beitrag, danke!
Das ist garantiert so, wir kriegen nur mit was auf dem Eis läuft, mehr nicht. Es gibt aber noch so vieles mehr - Kabine, Verletzungen, Umfeld etc. etc.
Auch wenn viele immer wieder auf Unti, Kreis und Kindschi rumhacken, so hatten wir eine der besten Defensiven der Liga. Wir kranken am Tore schiessen... ich würde mal behaupten, dass das Gefüge im Team noch nicht stimmt, die Lücke von Alt und erfahren zu Jung und unerfahren ist zu gross. Darum fallen Ausfälle wie z.B. Baumgartner so ins Gewicht - einer der wenigen zwischen den beiden Fraktionen.
Was ich aber nicht verstehe, warum man nicht schon lange einen Sportpsychologen beigezogen hat - und zwar fix. Nahezu jeder Top-Athlet hat das heute - aber beim SCB leider nicht. Die ganze Verunsicherung die aufgrund des miesen Saisonstarts und der abartig vielen Verletzen entstand, hat uns bis zum Ende der Saison verfolgt.
Re: Pressemeldungen
Maple Leaf hat geschrieben:
> Und nur der Vollständigkeit halber noch "oben drauf" die
> Erinnerung daram, wie gut und geduldig die beiden Goalies Schlegel und
> Wüthrich vom Berner Anhang behandelt worden sind...
So gut wie Reidborn und Zurkirchen. Eigentlich fast jeden ausser Tosio und Bührer. Goalies haben einen Schweren Stand in Bern. Aber vielleicht sollten wir die Ganze Sportliche Belegschaft austauschen mit allen Möchtegern Sportchefs hier drin. Jeder kann es besser als Plüss und Co.
> Und nur der Vollständigkeit halber noch "oben drauf" die
> Erinnerung daram, wie gut und geduldig die beiden Goalies Schlegel und
> Wüthrich vom Berner Anhang behandelt worden sind...
So gut wie Reidborn und Zurkirchen. Eigentlich fast jeden ausser Tosio und Bührer. Goalies haben einen Schweren Stand in Bern. Aber vielleicht sollten wir die Ganze Sportliche Belegschaft austauschen mit allen Möchtegern Sportchefs hier drin. Jeder kann es besser als Plüss und Co.
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Paul Coffey
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- Registriert: Mi 10. Okt 2012, 16:46
Re: Pressemeldungen
Innerspace hat geschrieben:
> Scrollt mal 5 Monate zurück zur Matchdiskussion nach dem peinlichen Spiel gegen
> Gotteron (wenn ich mich nicht täusche).
> ALLE wünschten sich Tapola zum Teufel!
Nö.
> Scrollt mal 5 Monate zurück zur Matchdiskussion nach dem peinlichen Spiel gegen
> Gotteron (wenn ich mich nicht täusche).
> ALLE wünschten sich Tapola zum Teufel!
Nö.
Re: Pressemeldungen
Paul Coffey hat geschrieben:
> Innerspace hat geschrieben:
>
> > Scrollt mal 5 Monate zurück zur Matchdiskussion nach dem peinlichen Spiel gegen
> > Gotteron (wenn ich mich nicht täusche).
> > ALLE wünschten sich Tapola zum Teufel!
>
> Nö.
Da nehme ich mich nicht aus. Immerhin hat Mörtel Heinz die Defensive so stabilisiert dass wir meine ich auf Platz 4 der Gegentore lagen. Die bekannte Torimpotenz konnte auch er nicht beheben. Wäre natürlich spannend zu wissen was gewesen wäre unter Jussi.
> Innerspace hat geschrieben:
>
> > Scrollt mal 5 Monate zurück zur Matchdiskussion nach dem peinlichen Spiel gegen
> > Gotteron (wenn ich mich nicht täusche).
> > ALLE wünschten sich Tapola zum Teufel!
>
> Nö.
Da nehme ich mich nicht aus. Immerhin hat Mörtel Heinz die Defensive so stabilisiert dass wir meine ich auf Platz 4 der Gegentore lagen. Die bekannte Torimpotenz konnte auch er nicht beheben. Wäre natürlich spannend zu wissen was gewesen wäre unter Jussi.
Re: Pressemeldungen
Dort, wo ein Trainer am ehesten Einfluss nehmen kann - eben in der Defensive - haben Tapola und Ehlers ihre Sache gemacht. Das war beispielsweise damals bei Lundskog anders, da irrte man noch im Februar desorganisiert im eigenen Drittel herum. Mittlerweile hat sich Lundskog offenbar weiterentwickelt, denn dass das Team damals gegen ihn spielte ist nicht anzunehmen.
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bandeschreck
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Re: Pressemeldungen
Aus BUND/BZ von heute:
«Es war eine beschissene Saison. Punkt. Ende»
Marc Lüthi Nach 28 Jahren hört der 64-Jährige als Chef des SC Bern auf – bitter enttäuscht über das Saisonende. Im Interview spricht er über das Scheitern, Sportchef Plüss und Millionendeals per Telefon.
Angelo Rocchinotti
Das Ende einer Ära: 1998 übernahm Marc Lüthi den SCB als Sanierungsfall und formte ihn zum wirtschaftlichen Krösus (60 Mio. Umsatz). Unter dem heute 64-Jährigen gewann der Club sechs Meistertitel. Ende April übergibt Marc Lüthi als SCB-CEO an Jürg Fuhrer.
Marc Lüthi, mehr als eine Woche ist seit dem Out im Play-in gegen die Lakers vergangen. Wie blicken Sie zurück?
Es war eine beschissene Saison. Punkt. Ende. Amen. Vieles hat nicht funktioniert. Manches war selbst verschuldet, anderes – gerade bei den Verletzungen – war Pech.
Beim Tor zum 0:3 verliessen Sie sieben Minuten vor Schluss das Stadion – noch auf der Treppe fiel das 0:4. Sie nannten den Auftritt peinlich.
Ich fand es peinlich!
Es gab Kritik an der Wortwahl, weil angeschlagene Spieler im Einsatz standen.
Ich habe mir stets überlegt, wie Worte wirken. Ich sah mich immer als Anwalt der Fans. Für alle, die nach Rapperswil-Jona gereist sind und Eintritt bezahlt haben, war das ein peinlicher Auftritt. Ja, es gab angeschlagene Spieler. Aber ich sah keinen Unterschied zu jenen, die fit waren. Man hätte es auch schlecht nennen können.
Haben Sie eine Erklärung?
Ich denke, unsere alten Schlachtrösser können es vielleicht nicht mehr – und die jungen Hengste sind noch nicht so weit. Am Willen hat es nicht gefehlt.
Sie sagten der Mannschaft nach Ihrem Rücktritt, sie schulde Ihnen noch etwas. Diese Schuld bleibt nun offen.
Ich bin enttäuscht, aber nicht meinetwegen. Ich bin unwichtig. Es wäre die Chance gewesen, mit guten Play-ins oder dem Playoff vieles gutzumachen.
Haben Sie nochmals zur Mannschaft gesprochen?
Nein, wozu? Jetzt müssen die neuen Verantwortlichen entscheiden. Da muss nicht noch der alte Sack in die Garderobe und «Mimimi» machen.
Wie schwer fällt es, den Club nach 28 Jahren so zu übergeben?
Ich habe mir nie überlegt, wie mein Abgang aussehen soll. Als ich sagte, man schulde mir etwas, dachte ich, dass die Mannschaft den Fans, Sponsoren und Partnern etwas schulde. Ich schaue nach vorne – und sehe dort anderes als Eishockeystadien.
Was lief generell falsch?
Einige Führungsspieler hätten vorangehen sollen, konnten es aber nicht. Miro Aaltonen etwa kam vor einem Jahr und traf in zehn Spielen siebenmal – diese Saison kam er nie in Fahrt. Gleichzeitig spielten wir wegen Verletzungen acht Partien mit sieben U22-Spielern – das gab es noch nie. Alain Graf hat das sensationell gemacht, aber von einem 21-Jährigen kann man nicht erwarten, ein Team zu tragen. Bis zur Pandemie hatten wir oft das nötige Glück. Wenn dich das verlässt, ist es Zeit zu gehen.
Leidet der SCB an Realitätsverlust? Er sieht sich im Selbstverständnis als Spitzenclub, ist es aber längst nicht mehr.
Wir haben nie behauptet, ein Spitzenclub zu sein. Aber auf dem Papier hatten wir ein Team, das mehr hätte erreichen können. Uns war klar, dass wir letzte Saison mit Rang 3 überperformt haben. Deshalb war unser Ziel das Playoff. Seit der Pandemie wissen wir: Wir haben derzeit keine Mannschaft für den Meistertitel.
Die Pandemie liegt vier Jahre zurück. Sollte man nicht aufhören, sie als Erklärung zu nennen?
Schauen Sie mal bei uns vorbei. Wir spüren die Folgen noch immer. Der Umsatz liegt unter Vor-Corona-Niveau. Uns hat es besonders hart getroffen, weil Gastronomie und Sport stillstanden.
Sie tragen als CEO Mitverantwortung für viele personelle Entscheide. Seit dem Titel 2019 gab es fünf Sportchefs und bald den neunten Trainer.
Unsere Philosophie war: Die Mannschaft bleibt, der Trainer ist austauschbar. Damit gewannen wir zahlreiche Titel. Die sportliche Führung lag in meiner Verantwortung, ja. Aber nach meiner Rückkehr als CEO wollte ich sie bewusst abgeben. Es gibt Gründe, warum einzelne Sportchefs nicht funktioniert haben. Zuletzt wollte sich die neue Führung neu aufstellen.
Martin Plüss steht im dritten Jahr. Und ebenfalls in der Kritik.
Ich hatte in 28 Jahren keinen Sportchef, der nicht in der Kritik stand. Plüss hat seinen Stil. Ich war nicht immer einverstanden. Die Zusammenarbeit war phasenweise anstrengend, aber wir konnten immer alles offen diskutieren. Das gehört zu einer gesunden Betriebskultur. Er sieht vieles richtig, musste Altlasten im Kader übernehmen und steht nun vor einem Umbau.
Was sagen Sie Abonnenten, die sich fragen, warum sie nächste Saison wieder ins Stadion kommen sollen?
Ich bin überzeugt: Alle Massnahmen, die ergriffen wurden und noch ergriffen werden, werden zu einer kompetitiveren Mannschaft führen. Sie kann sich zwischen Rang 3 und Rang 9 festsetzen, wird mehr Freude bereiten und offensiver ausgerichtet sein.
Gab es in 28 Jahren einen Moment, der Sie am meisten geprägt hat?
Im negativen Sinne das Transparent in Zug («Danke Leibacher»– in Anlehnung an den Amokläufer). Mein schlimmster Moment. Positiv war der Meistertitel 2004, als sich Tausende Menschen auf dem Bundesplatz versammelten. Um den Osterstau zu umgehen, reisten wir mit dem Flugzeug zum Entscheidungsspiel nach Lugano. Einige Spieler hatten solchen Schiss vor dem Flug, dass sie das Spiel fast vergessen hätten. Der Car rauschte dann runter. Es gab überhaupt keinen Stau.
Sie liessen nach Niederlagen auch mal nachts trainieren – und wurden in der Garderobe laut.
Neulich hat sich Marc Reichert per E-Mail für die Zusammenarbeit bei mir bedankt. Am Ende schrieb er: «PS: Mach dir kein Gewissen. Die Beule an meinem Kopf ist verheilt.» Ich hatte ihn damals mit einem Kanister Isostar getroffen. Der Inhalt verteilte sich in der Tasche unseres Captains Martin Plüss.
Lassen Sie uns zum Schluss über Menschen sprechen, die Ihre Zeit prägten. Beginnen wir mit Chris McSorley.
Mein Lieblingsfeind. Ein cooler Typ. Vielleicht verstanden wir uns gerade deshalb, weil wir in gewissen Punkten ähnlich ticken. Meine zwei, drei Versuche, ihn nach Bern zu lotsen, scheiterten – auch weil er zu der Zeit Besitzer in Genf war. Aber: Er schuldet mir seit 16 Jahren ein Essen. Vor dem Playoff-Final 2010 hatten wir um den Meistertitel gewettet. Der Verlierer sollte den Gewinner einladen. Ich warte noch immer.
Larry Huras.
Der Trainer mit der wohl grössten Ausstrahlung, ein Showman. Die Trennung 2011 kam, weil über 5000 Abonnenten den Spielen fernblieben. Wir haben uns längst versöhnt.
Dany Heatley.
Die wohl tragischste Figur unter unseren Top-Ausländern. Er kam kurz nach dem tödlichen Unfall mit Dan Snyder. Heatley schaffte es, auf dem Weg vom Eis in die Kabine schon ein Bier zu trinken – und verschenkte nach jedem Drittel seinen Stock. Nach dem dritten Spiel sagte ich: «Spinnst du? Ich bezahle die!» Damals war das Materialgeld bei den Ausländern noch inklusive. Er meinte, das mache er in der NHL auch. Ich entgegnete: «Dann zahlst du sie ab jetzt selbst.» Heatleys Antwort: «Easy.»
Er wechselte schliesslich nach Russland …
Ich hatte unterschätzt, wie lange der Lockout dauern würde, und dachte, das könnten wir uns leisten. Plötzlich stand Heatley bei mir im Büro und sagte, er wolle nach Russland. Kurz darauf klingelte das Telefon: Ein Russe war dran und meinte: «Heatley kommt zu uns.» Ich sagte «Nein» und legte auf. Ich mag es nicht, wenn jemand nicht höflich fragt.
Wie ging es weiter?
Es klingelte wieder. Der Mann bot 10’000 Franken. Ich sagte erneut «Nein». Das Spiel wiederholte sich im 5-Minuten-Rhythmus. Als ich 100’000 Franken verlangte, legte der Anrufer selbst auf. Kurze Zeit später rief er zurück, akzeptierte und meinte, ich könne Heatley nun freigeben. Ich fragte ihn, ob er betrunken sei: «Erst die Kohle, dann die Freigabe.» Eine Stunde später war das Geld auf dem Konto. Da fällt mir noch etwas anderes ein …
Ja, bitte …
2004 verpflichtete ich den NHL-Verteidiger Sylvain Lefebvre. Noch im Flugzeug erhielt er ein Angebot der New York Rangers und wollte gleich wieder umkehren. Ich sagte: «Moment, Junge. Du hast bei uns unterschrieben.» Ich klärte die Sache in Nordamerika. Die Antwort war klar: «Mister Lüthi, tell Mister Lefebvre that he has to stay where he is.» Ich fragte Lefebvre, ob er jetzt trotzig sein werde. Er entgegnete: «I’m a man.» Danach spielte er unglaublich. Marco Bührer meinte, er habe noch nie so ruhige Zeiten im Tor erlebt.
Tristan Scherwey.
Trische hat sich vom Schnuderbuben, der so einiges anstellte, zum gestandenen NL-Spieler entwickelt. Als er in Freiburg gehen musste, stellten wir uns die Frage, wie wir mit ihm umgehen sollten. Eines Tages schleppte eine Bekannte mit zwei kleinen Jungs Hockeytaschen ins Stadion. Ein Spieler bot ihr sofort seine Hilfe an. Sie beschrieb ihn als einen mit «nicht mehr ganz so schönen Zähnen». Da wusste ich sofort, wer gemeint war. Trische war immer ein hochanständiger Typ, mit einem grossen, goldigen Herzen. Deshalb habe ich ihn damals an die Hand genommen.
Was hat das Eishockey aus Ihnen gemacht?
Ich hatte den geilsten Job der Welt. Er sorgte dafür, dass ich geistig jung geblieben bin – und dass man Kritik nicht zu ernst nehmen darf. Ich habe immer mit allen gesprochen und werde das auch künftig tun. Aber ich werde nicht zum Erich Vogel, der überall seinen Kommentar abgeben wird. Jetzt spüre ich Erleichterung. Die Version Marc Lüthi 2.0 war falsch. Vielleicht nicht fürs Unternehmen, aber für mich. Ich war nach meiner Rückkehr als CEO nicht mehr ich selbst.
Was machen Sie ab 1. Mai?
Ich behalte das Präsidium der europäischen Proficlubs – falls ich gewählt werde. Und werde im Rahmen meiner Tätigkeit für die Liga die Verhandlungen mit dem Verband führen. Zudem bleibe ich im internationalen Komitee der Liga. Ich freue mich, nicht mehr vom 1. September bis April durchgebucht zu sein und Ferien machen zu können. Aber fünfmal pro Woche Golf spielen? Das würde mich schnell langweilen.
«Es war eine beschissene Saison. Punkt. Ende»
Marc Lüthi Nach 28 Jahren hört der 64-Jährige als Chef des SC Bern auf – bitter enttäuscht über das Saisonende. Im Interview spricht er über das Scheitern, Sportchef Plüss und Millionendeals per Telefon.
Angelo Rocchinotti
Das Ende einer Ära: 1998 übernahm Marc Lüthi den SCB als Sanierungsfall und formte ihn zum wirtschaftlichen Krösus (60 Mio. Umsatz). Unter dem heute 64-Jährigen gewann der Club sechs Meistertitel. Ende April übergibt Marc Lüthi als SCB-CEO an Jürg Fuhrer.
Marc Lüthi, mehr als eine Woche ist seit dem Out im Play-in gegen die Lakers vergangen. Wie blicken Sie zurück?
Es war eine beschissene Saison. Punkt. Ende. Amen. Vieles hat nicht funktioniert. Manches war selbst verschuldet, anderes – gerade bei den Verletzungen – war Pech.
Beim Tor zum 0:3 verliessen Sie sieben Minuten vor Schluss das Stadion – noch auf der Treppe fiel das 0:4. Sie nannten den Auftritt peinlich.
Ich fand es peinlich!
Es gab Kritik an der Wortwahl, weil angeschlagene Spieler im Einsatz standen.
Ich habe mir stets überlegt, wie Worte wirken. Ich sah mich immer als Anwalt der Fans. Für alle, die nach Rapperswil-Jona gereist sind und Eintritt bezahlt haben, war das ein peinlicher Auftritt. Ja, es gab angeschlagene Spieler. Aber ich sah keinen Unterschied zu jenen, die fit waren. Man hätte es auch schlecht nennen können.
Haben Sie eine Erklärung?
Ich denke, unsere alten Schlachtrösser können es vielleicht nicht mehr – und die jungen Hengste sind noch nicht so weit. Am Willen hat es nicht gefehlt.
Sie sagten der Mannschaft nach Ihrem Rücktritt, sie schulde Ihnen noch etwas. Diese Schuld bleibt nun offen.
Ich bin enttäuscht, aber nicht meinetwegen. Ich bin unwichtig. Es wäre die Chance gewesen, mit guten Play-ins oder dem Playoff vieles gutzumachen.
Haben Sie nochmals zur Mannschaft gesprochen?
Nein, wozu? Jetzt müssen die neuen Verantwortlichen entscheiden. Da muss nicht noch der alte Sack in die Garderobe und «Mimimi» machen.
Wie schwer fällt es, den Club nach 28 Jahren so zu übergeben?
Ich habe mir nie überlegt, wie mein Abgang aussehen soll. Als ich sagte, man schulde mir etwas, dachte ich, dass die Mannschaft den Fans, Sponsoren und Partnern etwas schulde. Ich schaue nach vorne – und sehe dort anderes als Eishockeystadien.
Was lief generell falsch?
Einige Führungsspieler hätten vorangehen sollen, konnten es aber nicht. Miro Aaltonen etwa kam vor einem Jahr und traf in zehn Spielen siebenmal – diese Saison kam er nie in Fahrt. Gleichzeitig spielten wir wegen Verletzungen acht Partien mit sieben U22-Spielern – das gab es noch nie. Alain Graf hat das sensationell gemacht, aber von einem 21-Jährigen kann man nicht erwarten, ein Team zu tragen. Bis zur Pandemie hatten wir oft das nötige Glück. Wenn dich das verlässt, ist es Zeit zu gehen.
Leidet der SCB an Realitätsverlust? Er sieht sich im Selbstverständnis als Spitzenclub, ist es aber längst nicht mehr.
Wir haben nie behauptet, ein Spitzenclub zu sein. Aber auf dem Papier hatten wir ein Team, das mehr hätte erreichen können. Uns war klar, dass wir letzte Saison mit Rang 3 überperformt haben. Deshalb war unser Ziel das Playoff. Seit der Pandemie wissen wir: Wir haben derzeit keine Mannschaft für den Meistertitel.
Die Pandemie liegt vier Jahre zurück. Sollte man nicht aufhören, sie als Erklärung zu nennen?
Schauen Sie mal bei uns vorbei. Wir spüren die Folgen noch immer. Der Umsatz liegt unter Vor-Corona-Niveau. Uns hat es besonders hart getroffen, weil Gastronomie und Sport stillstanden.
Sie tragen als CEO Mitverantwortung für viele personelle Entscheide. Seit dem Titel 2019 gab es fünf Sportchefs und bald den neunten Trainer.
Unsere Philosophie war: Die Mannschaft bleibt, der Trainer ist austauschbar. Damit gewannen wir zahlreiche Titel. Die sportliche Führung lag in meiner Verantwortung, ja. Aber nach meiner Rückkehr als CEO wollte ich sie bewusst abgeben. Es gibt Gründe, warum einzelne Sportchefs nicht funktioniert haben. Zuletzt wollte sich die neue Führung neu aufstellen.
Martin Plüss steht im dritten Jahr. Und ebenfalls in der Kritik.
Ich hatte in 28 Jahren keinen Sportchef, der nicht in der Kritik stand. Plüss hat seinen Stil. Ich war nicht immer einverstanden. Die Zusammenarbeit war phasenweise anstrengend, aber wir konnten immer alles offen diskutieren. Das gehört zu einer gesunden Betriebskultur. Er sieht vieles richtig, musste Altlasten im Kader übernehmen und steht nun vor einem Umbau.
Was sagen Sie Abonnenten, die sich fragen, warum sie nächste Saison wieder ins Stadion kommen sollen?
Ich bin überzeugt: Alle Massnahmen, die ergriffen wurden und noch ergriffen werden, werden zu einer kompetitiveren Mannschaft führen. Sie kann sich zwischen Rang 3 und Rang 9 festsetzen, wird mehr Freude bereiten und offensiver ausgerichtet sein.
Gab es in 28 Jahren einen Moment, der Sie am meisten geprägt hat?
Im negativen Sinne das Transparent in Zug («Danke Leibacher»– in Anlehnung an den Amokläufer). Mein schlimmster Moment. Positiv war der Meistertitel 2004, als sich Tausende Menschen auf dem Bundesplatz versammelten. Um den Osterstau zu umgehen, reisten wir mit dem Flugzeug zum Entscheidungsspiel nach Lugano. Einige Spieler hatten solchen Schiss vor dem Flug, dass sie das Spiel fast vergessen hätten. Der Car rauschte dann runter. Es gab überhaupt keinen Stau.
Sie liessen nach Niederlagen auch mal nachts trainieren – und wurden in der Garderobe laut.
Neulich hat sich Marc Reichert per E-Mail für die Zusammenarbeit bei mir bedankt. Am Ende schrieb er: «PS: Mach dir kein Gewissen. Die Beule an meinem Kopf ist verheilt.» Ich hatte ihn damals mit einem Kanister Isostar getroffen. Der Inhalt verteilte sich in der Tasche unseres Captains Martin Plüss.
Lassen Sie uns zum Schluss über Menschen sprechen, die Ihre Zeit prägten. Beginnen wir mit Chris McSorley.
Mein Lieblingsfeind. Ein cooler Typ. Vielleicht verstanden wir uns gerade deshalb, weil wir in gewissen Punkten ähnlich ticken. Meine zwei, drei Versuche, ihn nach Bern zu lotsen, scheiterten – auch weil er zu der Zeit Besitzer in Genf war. Aber: Er schuldet mir seit 16 Jahren ein Essen. Vor dem Playoff-Final 2010 hatten wir um den Meistertitel gewettet. Der Verlierer sollte den Gewinner einladen. Ich warte noch immer.
Larry Huras.
Der Trainer mit der wohl grössten Ausstrahlung, ein Showman. Die Trennung 2011 kam, weil über 5000 Abonnenten den Spielen fernblieben. Wir haben uns längst versöhnt.
Dany Heatley.
Die wohl tragischste Figur unter unseren Top-Ausländern. Er kam kurz nach dem tödlichen Unfall mit Dan Snyder. Heatley schaffte es, auf dem Weg vom Eis in die Kabine schon ein Bier zu trinken – und verschenkte nach jedem Drittel seinen Stock. Nach dem dritten Spiel sagte ich: «Spinnst du? Ich bezahle die!» Damals war das Materialgeld bei den Ausländern noch inklusive. Er meinte, das mache er in der NHL auch. Ich entgegnete: «Dann zahlst du sie ab jetzt selbst.» Heatleys Antwort: «Easy.»
Er wechselte schliesslich nach Russland …
Ich hatte unterschätzt, wie lange der Lockout dauern würde, und dachte, das könnten wir uns leisten. Plötzlich stand Heatley bei mir im Büro und sagte, er wolle nach Russland. Kurz darauf klingelte das Telefon: Ein Russe war dran und meinte: «Heatley kommt zu uns.» Ich sagte «Nein» und legte auf. Ich mag es nicht, wenn jemand nicht höflich fragt.
Wie ging es weiter?
Es klingelte wieder. Der Mann bot 10’000 Franken. Ich sagte erneut «Nein». Das Spiel wiederholte sich im 5-Minuten-Rhythmus. Als ich 100’000 Franken verlangte, legte der Anrufer selbst auf. Kurze Zeit später rief er zurück, akzeptierte und meinte, ich könne Heatley nun freigeben. Ich fragte ihn, ob er betrunken sei: «Erst die Kohle, dann die Freigabe.» Eine Stunde später war das Geld auf dem Konto. Da fällt mir noch etwas anderes ein …
Ja, bitte …
2004 verpflichtete ich den NHL-Verteidiger Sylvain Lefebvre. Noch im Flugzeug erhielt er ein Angebot der New York Rangers und wollte gleich wieder umkehren. Ich sagte: «Moment, Junge. Du hast bei uns unterschrieben.» Ich klärte die Sache in Nordamerika. Die Antwort war klar: «Mister Lüthi, tell Mister Lefebvre that he has to stay where he is.» Ich fragte Lefebvre, ob er jetzt trotzig sein werde. Er entgegnete: «I’m a man.» Danach spielte er unglaublich. Marco Bührer meinte, er habe noch nie so ruhige Zeiten im Tor erlebt.
Tristan Scherwey.
Trische hat sich vom Schnuderbuben, der so einiges anstellte, zum gestandenen NL-Spieler entwickelt. Als er in Freiburg gehen musste, stellten wir uns die Frage, wie wir mit ihm umgehen sollten. Eines Tages schleppte eine Bekannte mit zwei kleinen Jungs Hockeytaschen ins Stadion. Ein Spieler bot ihr sofort seine Hilfe an. Sie beschrieb ihn als einen mit «nicht mehr ganz so schönen Zähnen». Da wusste ich sofort, wer gemeint war. Trische war immer ein hochanständiger Typ, mit einem grossen, goldigen Herzen. Deshalb habe ich ihn damals an die Hand genommen.
Was hat das Eishockey aus Ihnen gemacht?
Ich hatte den geilsten Job der Welt. Er sorgte dafür, dass ich geistig jung geblieben bin – und dass man Kritik nicht zu ernst nehmen darf. Ich habe immer mit allen gesprochen und werde das auch künftig tun. Aber ich werde nicht zum Erich Vogel, der überall seinen Kommentar abgeben wird. Jetzt spüre ich Erleichterung. Die Version Marc Lüthi 2.0 war falsch. Vielleicht nicht fürs Unternehmen, aber für mich. Ich war nach meiner Rückkehr als CEO nicht mehr ich selbst.
Was machen Sie ab 1. Mai?
Ich behalte das Präsidium der europäischen Proficlubs – falls ich gewählt werde. Und werde im Rahmen meiner Tätigkeit für die Liga die Verhandlungen mit dem Verband führen. Zudem bleibe ich im internationalen Komitee der Liga. Ich freue mich, nicht mehr vom 1. September bis April durchgebucht zu sein und Ferien machen zu können. Aber fünfmal pro Woche Golf spielen? Das würde mich schnell langweilen.
Re: Pressemeldungen
Danke für's Reinstellen!!!!!
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DragonLord
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- Registriert: Do 28. Nov 2013, 13:13
Re: Pressemeldungen
Danke fürs reinstellen Bandenschreck.
Ja ja der Chole-Marc. Ist ja schön, wenn er enttäuscht ist, es ist aber das Resultat seiner Misswirtschaft der letzten 6 Jahre. Vor allem dank US-Boy Czarnik war die letzte Saison erfolgreich - die Kacke ist aber schon lange am dampfen. Seine Rückkehr als Lüthi 2.0, Gastro-Only Ausrichtung zur Finanzierung (es gab immer wieder Warnungen, dass dieses System ein gefährliches Klumpenrisiko darstellt), Wasserkopf-Verwaltung mit Hü- und Hopp Anstellungen und Kündigungen (da wurde viel Geld verlocht, welches in Spieler hätte investiert werden können). Es reicht nicht, wenn nur diese Saison analysiert wird. Hoffen wir einmal, dass die neue Crew den Sport ins Zentrum stellt. Wir waren lange genug die Clowns der Liga.
Ja ja der Chole-Marc. Ist ja schön, wenn er enttäuscht ist, es ist aber das Resultat seiner Misswirtschaft der letzten 6 Jahre. Vor allem dank US-Boy Czarnik war die letzte Saison erfolgreich - die Kacke ist aber schon lange am dampfen. Seine Rückkehr als Lüthi 2.0, Gastro-Only Ausrichtung zur Finanzierung (es gab immer wieder Warnungen, dass dieses System ein gefährliches Klumpenrisiko darstellt), Wasserkopf-Verwaltung mit Hü- und Hopp Anstellungen und Kündigungen (da wurde viel Geld verlocht, welches in Spieler hätte investiert werden können). Es reicht nicht, wenn nur diese Saison analysiert wird. Hoffen wir einmal, dass die neue Crew den Sport ins Zentrum stellt. Wir waren lange genug die Clowns der Liga.
Re: Pressemeldungen
@DragonLord
Lüthi sagt ja selber, dass „Lüthi 2.0“ein Fehler war…und
Wäre froh, wenn du Details zu den verschwendeten Kosten der Kündigungen usw nennen könntest…und
Carnik alleine war nicht der Grund für Rang 3; EH ist ein Mannschaftssport..
Und finde es schwach, diesem für den SCB so verdienstvollen Macher, jetzt bei seinem Abgang „Dreck“ nachzuwerfen, sorry…
Lüthi sagt ja selber, dass „Lüthi 2.0“ein Fehler war…und
Wäre froh, wenn du Details zu den verschwendeten Kosten der Kündigungen usw nennen könntest…und
Carnik alleine war nicht der Grund für Rang 3; EH ist ein Mannschaftssport..
Und finde es schwach, diesem für den SCB so verdienstvollen Macher, jetzt bei seinem Abgang „Dreck“ nachzuwerfen, sorry…
-
DragonLord
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- Registriert: Do 28. Nov 2013, 13:13
Re: Pressemeldungen
Veteran
Ich kenne die Kosten nicht, aber jeder, der Angestellte beschäftigt weiss, dass Fluktuation oder Kündigungen, Neuanstellungen was auch immer viel Geld kostet. Wo andere Clubs einen Sportchef beschäftigen, benötigt der SCB 2, und und und. Da wurde und wird Geld verlocht.
Ich habe auch nicht gesagt, dass Czarnik alleine für den guten 3. Platz verantwortlich war.
Ich schmeisse nicht mit Dreck, Lüthi hat unbestritten viel für den SCB getan. Aber halt auch einiges verkackt und sein Denkmal selber gestürzt. Und das darf man auch ansprechen denke ich.
Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute, aber ich bin froh, geht er endlich - Beratungsresistente Sesselkleber waren noch nie gut für ein Unternehmen.
Ich kenne die Kosten nicht, aber jeder, der Angestellte beschäftigt weiss, dass Fluktuation oder Kündigungen, Neuanstellungen was auch immer viel Geld kostet. Wo andere Clubs einen Sportchef beschäftigen, benötigt der SCB 2, und und und. Da wurde und wird Geld verlocht.
Ich habe auch nicht gesagt, dass Czarnik alleine für den guten 3. Platz verantwortlich war.
Ich schmeisse nicht mit Dreck, Lüthi hat unbestritten viel für den SCB getan. Aber halt auch einiges verkackt und sein Denkmal selber gestürzt. Und das darf man auch ansprechen denke ich.
Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute, aber ich bin froh, geht er endlich - Beratungsresistente Sesselkleber waren noch nie gut für ein Unternehmen.